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Zwischen Herz und Verstand...

Ich stehe am Bahnhof meines Heimatdorfes. "Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt" - Mich schickt er nach Darmstadt in die Evangelische Fachhochschule um dort Soziale Arbeit zu studieren.
Die Sonne scheint und ich genieße ihre Wärme. Ich schaue in den Himmel. Ein toller Anblick! Mitten im kräftigen Blau treiben vereinzelte Wolken gemächlich vor sich hin. Spontan erinnern sie mich an die Watte, die ich mir bei Proben und Auftritten in die Ohren stopfe. Wie schön wäre es jetzt auf einer solchen Wattewolke zu liegen und das Gewimmel darunter einfach zu vergessen. Doch bevor ich weiterträumen kann erscheinen mir die Wolken als erstarrter Wasserdampf - back to reality - Hier unten ist es jedoch ebenfalls sehr schön. Die Bäume, Felder und Wiesen, all das saftige Grün und lebendige Getier um mich herum legt ein warmes Gefühl auf mein Herz und ich verspüre den Wunsch einfach loszuwandern...
Ich frage mich was ich hier eigentlich mache, als einer von abermillionen herumwuselnden menschlichen Geschöpfen auf diesem Planeten. Ich fahre von A nach B und kreuze dabei den Weg anderer Geschöpfe, die ebenfalls einen bestimmten Weg zwischen zwei Punkten zurücklegen. Ich komme mir klein und unbedeuted vor. Im Vergleich mit der Schönheit der Natur, die entschieden und konsequent ihren Weg geht, bin ich ein nichtiges Individuum, dass sich damit abmüht, die verbleibende Zeit seines Daseins irgendwie auszufüllen.
Gestern Nacht saß ich auf dem Balkon des Hauses meiner Eltern um eine Zigarette zu rauchen. Mir kam in den Sinn, dass dieser Moment, sowie jeder davor vergangene und jeder darauffolgende voller unzähliger Ereignisse steckt. Ich fragte mich wie viele Menschen gerade genau gleichzeitig mit mir an einer Zigarette ziehen und in welchem Kontext sie es tun. Plötzlich schoß mir ein Bild von einem siffigen, alten Wohnblockbalkon mit rostigen Gittern in den Kopf. Wo kam dieses Bild nur her? Kenne ich es vielleicht aus einem Film?
Wieviele Menschen werden in diesem Moment ums Leben gebracht? Wieviele Menschen lieben sich gerade? Wieviele dieser Menschen kennen sich vielleicht, oder haben sich zumindest schonmal flüchtig gesehen? Nutzlose Fragen, die sich mit Sicherheit schon sehr Viele gestellt haben und doch scheinen sie mir in diesem Moment bedeutsam.
Warum schickt "Gott" mich nach Darmstadt, warum studiere ich Soziale Arbeit? Gibt es dafür einen tieferen Grund, so sagt mein romantisches Inneres, tut "er" es deshalb, weil ich im bevorstehenden entscheidenden Kampf als Krieger des Guten vorgesehen bin. Mein kühler Kopf jedoch sagt, dass ich jenen in letzter Zeit zu stark vernebelt habe und mich außerdem nicht mit Verschwörungstheorien, Esoterik und Okkultismus auseinandersetzen sollte... Ich darf einfach nicht die Kontrolle verlieren !!!
14.7.09 21:20
 


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